Kiel – eine Stadtrundfahrt

Die Stadt Kiel wurde um 1230/33 auf einer Halbinsel zwischen der Förde und dem Kleinen Kiel, einem toten Seitenarm der Förde, von Graf Adolf IV. von Schauenburg angelegt. Sein Sohn, Johann I. verlieh der „Holstenstadt“ 1242 das lübische Stadtrecht. Der Name leitet sich ab aus dem Wort „kille“, das aus dem Idiom der Angeln und Sachsen stammt. Er bedeutet „ein sicherer Platz für Schiffe“. Die Vorgänger-Siedlung trug diesen Namen schon im 10. Jahrhundert.

1283 erhielt Kiel einen eigenen Stand auf dem Heringsmarkt in Schonen und wurde damit Hanse-stadt. 1318 bekam die Stadt sogar ein eigenes Münzrecht („Kieler Witten“).

Trotz dieser Erfolge entwickelte sich die Stadt nur sehr langsam, weil sie abseits der Haupthandelswege lag (und liegt). Sie musste mehrere Niederlagen einstecken, so z.B. den Ausschluss aus der Hanse 1518 und mehrfach Besetzung, Plünderung und Brandschatzung im 30jährigen Krieg.

Auch die Gründung der Universität 1665 durch Herzog Christian Albrecht brachte keinen entscheidenden Wachstumsimpuls. Zudem wurde die Stadt 1721 vom Land isoliert, weil der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf seinen Herrschaftsanspruch weitgehend an Dänemark verlor und sich mit einem schmalen Landstrich von Kiel bis Neumünster begnügen mußte. Der letzte Gottorfer Herzog, Karl Peter Ulrich, war ein Enkel des Zaren Peter I. Er wuchs in St. Petersburg auf und ließ sein Stammland von einem „geheimen Regierungsrat“ im Kieler Schloß regieren. 1762 wurde er Zar von Russland (Peter III.). Im gleichen Jahr wurde er ermordet, vermutlich im Auftrag seiner Frau, Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst. Als Katharina II. („die Große“) folgte sie ihm auf dem Zarenthron. 1773 trat sie das kleine Herzogtum an Dänemark ab, womit der Dänische König alleiniger Herrscher über ganz Schleswig-Holstein war. Für Stadt und Land begann damit eine wirtschaftlich gute Zeit: der Schleswig-Holstein-Kanal, die erste befestigte Chaussee und die erste Eisenbahn im Land (beide von Altona nach Kiel) wurden gebaut, in der Stadt entstanden erste Fabriken, eine erste Sparkasse und eine erste Zeitung.

Allein die vom König versprochene Landesverfassung ließ auf sich warten. Als Dänemark 1848 den Landesteil Schleswig annektieren wollte, kam es zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung. In Kiel wurde eine provisorische Regierung gebildet und eine schleswig-holsteinische Armee aufgestellt. Im folgenden Krieg gegen Dänemark unterlagen die Schleswig-Holsteiner 1850, woraufhin das ganze Land besetzt wurde. Die Annexion Schleswigs konnte nur durch die Konferenz der Großmächte 1852 in London verhindert werden. Sie bestätigte die Gültigkeit der Verträge von 1460 („up ewig ungedeelt“), so dass das Land weiterhin vereint blieb. 1864 aber unterzeichnete der Dänische König die neue Verfassung, was einer erneuten Annexion des Landesteils Schleswig gleichkam. Damit hatte Bismarck einen Vorwand, gegen Dänemark zu Felde zu ziehen. Sein Ziel war aber nicht allein, die dänische Okkupation zu verhindern, er wollte das ganze Land selber haben, um auf eigenem Territorium einen neuen Kanal von der Ostsee zur Elbmündung bauen zu können. Dieser Krieg endete 1865 mit dem Sieg Preußens und Österreichs und der Verlegung der preußischen Marinestation Ostsee von Danzig nach Kiel. Auf die Vertreibung der Österreicher 1867 folgte die Annexion Schleswig-Holsteins. Damit war das Land preußische Provinz. So kamen Soldaten und Schiffe nach Kiel, Werften wurden notwendig, dadurch kamen Arbeiter in die Stadt. Von 1867 bis 1910 wuchs die Einwohnerzahl Kiels um das Achtfache. Dazu beigetragen hat auch der neue Kanal, den Kaiser Wilhelm II. 1895 eröffnete. Aus seestrategischen Gründen gebaut, entwickelte er sich zur meistbefahrenen künstlichen Wasserstrasse der Welt. Kiel wurde durch ihn ein Hafen für die internationale Seeschifffahrt. Noch bekannter in aller Welt wurde die Stadt durch die erstmals 1882 auf der Förde ausgetragenen Segelregatten. Seit 1894 werden sie „Kieler Woche“ genannt.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs arbeiteten auf den Kieler Werften 27.000 Menschen (mehr als 12% der Bevölkerung). Der Krieg selber richtete in der Stadt keinen Schaden an. Sein Ende aber wurde in Kiel eingeleitet. Am 3. November 1918 rebellierten die Kieler Matrosen. Sie forderten die sofortige Beendigung des Krieges, die Abdankung der Hohenzollern und ein allgemeines Wahlrecht. Die Werftarbeiter schlossen sich an, es entstand der erste Arbeiter- und Soldatenrat. Die Revolution griff schnell auf andere Städte über, und am 9. November unterzeichnete Reichskanzler Prinz Max von Baden in Berlin die Kapitulation.

Für Kiel waren die wirtschaftlichen Folgen katastrophal; von vormals gut 22.000 Soldaten blieben nur 4000, die Werften mussten Personal entlassen, die Stadt verlor 1/6 ihrer Einwohner.

Ab 1933 wurden hier wieder verstärkt Kriegsschiffe gebaut. Und ähnlich wie vor dem ersten Welt-krieg lebte die Hälfte der Bevölkerung von der Arbeit auf den Werften. Die hier gebauten und stati-onierten U-Boote waren für die Alliierten Grund genug, diese Stadt zwischen 1940 und 1945 über 90 Mal zu bombardieren. Am Ende des Krieges war Kiel insgesamt zu mehr als 80% zerstört, von der einst mittelalterlichen Innenstadt ist nichts übrig geblieben.

Bereits 1947 war die Stadt von Trümmern geräumt. Der Wiederaufbau folgte dem Konzept einer modernen, lichtdurchfluteten Stadt. Darüber hinaus entstanden die wichtigsten öffentlichen Gebäu-de, wie Rathaus, Opernhaus, Bahnhof und Nikolaikirche in vereinfachter Form wieder, Kloster und Schloss sind durch moderne Bauten als historisch wichtige Orte markiert. Diese neue Gestalt soll verdeutlichen, dass die preußische Vergangenheit der Stadt nur noch der Geschichte angehört.

Schon 1948 konnte die erste Kieler Woche nach dem Krieg gesegelt und gefeiert werden. Sie war nun ein Fest für die ganze Stadt, ein Volks-, Kultur- und Völkerverständigungsfest, zu dem auch Politiker aus dem Ausland kommen. Heute treffen sich hier die Segler aus aller Welt (2.000 Boote, 6.000 Aktive), in nur 9 Tagen gibt es über 1.000 Veranstaltungen der vielfältigsten Art, die jährlich von ca. 3.000.000 Menschen besucht werden. Höhepunkte des Festes sind die Windjammer-Parade am zweiten Samstag, meistens angeführt von der Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Bundesmarine (2017 waren es 75 Traditions-Segler), und das Abschlussfeuerwerk am Sonntag. 2012 feierte die Kieler Woche ihr 130-jähriges Bestehen.

Weil die Stadt über Jahrzehnte bewiesen hatte, dass sie solche Großereignisse organisieren kann, bekam sie zweimal, 1936 und 1972, den Zuschlag für die Olympischen Segelwettbewerbe.

Konventionelle Schiffe werden so gut wie nicht mehr in Kiel gebaut, die Werften haben sich auf den Bau besonderer Schiffe ausgerichtet. TKMS (Thyssen-Krupp-Marine-Systeme) fertigt U-Boote, und gilt als Marktführer des konventionellen U-Bootbaus, unter Verwendung von Brennstoffzellenantrieb. German-Naval-Yard hat sich einerseits auf den Bau von Marineschiffen (Fregatten, Korvetten u. ä.) spezialisiert, andererseits auf den Bau von Superyachten.

Der Hafen hat eine stürmische Entwicklung genommen. Vom einstigen Fischereihafen über einen reinen Marinehafen, zu dem die Stadt seit 1914 keinerlei Zugang mehr hatte, entwickelte er sich nach dem zweiten Weltkrieg zum Hafen für Fährschiffe. Vor allem die Großfähren nach Oslo und Göteborg sorgen für ein ständig steigendes Personen- und Güteraufkommen. Auch die Fähre nach Klaipeda trägt dazu bei, dass Kiel heute einer der wichtigsten deutschen Häfen im Personenverkehr ist. Die Zahl der Kreuzfahrerpassagiere ist von 2001 bis 2008 auf das Vierfache gestiegen. 2016 waren es ca. 2 Mio. Passagiere. 2007 wurde der Oslo-Kai zum Kreuzfahrt-Terminal „Ostseekai“ mit 2 Liegeplätzen für Kreuzfahrtschiffe mit über 300 Meter Länge eingeweiht. 2014 wurde im Bereich des Ostuferhafens ein weiteres Kreuzfahrtterminal dieser Größe errichtet. Somit können auch die größten „Traumschiffe“ Kiel anlaufen, und sogar mehrere gleichzeitig. Diese Beliebtheit resultiert daraus, dass der Hafen mitten in der Innenstadt liegt. Seeleute definieren Kiel deshalb als „Hafen mit Innenstadt“. Gleich unterhalb des Bahnhofs legen die großen Fährschiffe an, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Markt am Ostseekai machen die Kreuzfahrschiffe fest. Die wichtigsten Einkaufsadressen, Sophienhof und Holstenstrasse, sind von hier nur einen Katzensprung entfernt. 2017 gab es 143 Kreuzfahreranläufe, bei denen mehr als 450.000 Passagiere ein- und ausschifften. Und ein Ende des Kreuzfahrer-Booms ist nicht in Sicht.

Weitergehende Informationen bietet das Internet unter folgenden Adressen:

www.port-of-kiel.de
www.kiel.de
www.kieler-woche.de